Montag, 18. Oktober 2010

Zu Besuch in Panmunjom (Nordseite)

Panmunjom ist der einzige Ort, an dem die Koreaner aus dem Süden ungestraft ein paar Meter in den Norden gehen dürfen und umgekehrt. Es ist der Ort an dem der Korea-Krieg vorläufig beendet wurde. Vorläufig, weil zwischen beiden Seiten bis heute offiziell nur „Waffenstillstand“ herrscht, einen Friedensvertrag zwischen beiden Koreas gibt es bis heute nicht.

Tor zu einer anderen Welt - die Einfahrt ins Grenzgebiet von Panmunjom
Damals wurde der 38. Breitengrad als Demarkationslinie festgelegt, ein zwei Kilometer breiter Streifen links und rechts davon zur demilitarisierten Zone (oder kurz: „DMZ“) erklärt, in dem die Soldaten beider Länder nur Pistolen oder Gewehre zur Eigensicherung tragen dürfen. Ein Besuch hier ist fester Bestandteil so ziemlich jeder Nordkorea-Tour.

Diesen Wegweiser sehen die wenigsten Koreaner, die Stadt darauf so gut wie keiner - "Seoul, 70 km" steht auf dem Schild an der Autobahn kurz vor Panmunjom
Auf dem Weg nach Panmunjom fährt man an einem Wegweiser vorbei. „Seoul 70 Km“ steht drauf. Kurz dahinter taucht ein massives Tor auf, die Pforte nach Nordkorea mit der Inschrift „Souveräne Vereinigung“. Auf der Rückseite steht „Freundschaft“. Hier beginnt das Grenzgebiet.

Schaubild der "Joint Security Area" zwischen Nord- und Südkorea. Die Grenze verläuft in der Mitte der Hütten zwischen den beiden großen Gebäuden
Ab hier darf ich nicht mehr fotografieren, erklärt mir mein Reiseleiter, zumindest so lange, bis wir direkt an der Grenze sind oder es mir die Soldaten wieder erlauben. Hinter dem Tor gibt es ein Besucherzentrum mit dem üblichen Souvenirshop: Ginseng, Kim-Devotionalien etc. Hier treffe ich auch andere Touristen. Wir warten. Irgendwann kommen ein nordkoreanischer Offizier und ein Dolmetscher und erklären uns an einem Schaubild, was wir gleich live sehen werden. Wie verläuft die Grenze, wie ist sie markiert, was sind die interessanten Punkte in diesem Grenzgebiet. Wir erfahren – natürlich aus streng nordkoreanischer Sicht – dass der Waffenstillstand mit dem Süden eigentlich ein Sieg für Pjöngjang war. Und wird vom „Axt-Zwischenfall“ erzählt, bei dem in der nordkoreanischen Auslegung, US-Soldaten illegal einen Baum fällen wollten. Aber sie haben es nicht geschafft, so erzählt der Offizier stolz, die Armee Pjöngjangs hat die imperialistischen Aggressoren in die Flucht geschlagen und damit einen Sieg errungen. Meint der Norden. Ich bin auf die südkoreanische Variante gespannt, die ich ja in ein paar Wochen zu hören kriege.

"Durch diese hohle Gasse..." führt der Weg an die Grenze zwischen Nord und Süd
Wir steigen in unsere Autos bzw. Busse und werden durch eine enge Gasse gefahren. Es ist eine Art Schlauch mit rund 2 Meter hohen Betonwänden, hier passen kaum zwei Autos nebeneinander durch. Über dem Beton sind schwere Steine oder Quader eingelassen, so befestigt, dass man sie schnell sprengen und damit die Straße blockieren kann. Dahinter erstrecken sich Felder, hier wird – nur wenige Meter von der Grenze nach Südkorea – Reis angebaut und geerntet.

Eingang zum Hüttenkomplex in dem 1953 der Waffenstillstand unterzeichnet wurde, bewacht von einem nordkoreanischen Soldaten
Die erste Station ist der Ort, an dem das Waffenstillstandsabkommen zwischen Nordkorea und den Westmächten unterzeichnet wurde. Es ist ein Komplex von Holzhütten. In einem Fanden die Verhandlungen statt, in der anderen wurde das Abkommen unterzeichnet. Diese Hütte wurde in nur zwei Tagen errichtet. Über ihrer Tür prangt eine Friedenstaube, drinnen sind die beiden Tische zu sehen, an denen die Unterhändler beider Seiten saßen. Unser nordkoreanischer Offizier vergisst nicht zu erwähnen, dass auf dem Tisch „seiner“ Delegation die Flagge Nordkoreas steht, auf dem Tisch der Gegenseite aber keine US-, sondern eine UN-Flagge steht. Auch das verkauft man uns als großen Sieg des großen Führers. Hier dürfen wir auch die Soldaten fotografieren, was sonst in Nordkorea streng verboten ist.

Hier wurde der Waffenstillstand zwischen Nordkorea und den westlichen Alliierten unterzeichnet
Der Text des Waffenstillstandsabkommens auf Nordkoreanisch...
... und auf Englisch sind bis heute in der Hütte zu sehen
Dann geht es weiter zur eigentlichen Grenze. Als erstes sehen wir einen Parkplatz und eine Art Bürohaus, das letzte Gebäude auf nordkoeranischer Seite. Wir müssen uns in Zweierreihen aufstellen, wie bei einem Schulausflug und werden um das Gebäude herumgeführt. An der Seite ist ein Gedenkstein mit der Unterschrift Kim Il Sungs und wir kriegen noch ein paar Lobpreisungen des großen Führers zu hören. 

"Kim was here" - Gedenktafel an den "ewigen Präsidenten" an der Grenze von Panmunjom
Dann geht es im Gänsemarsch weiter zur Grenzlinie. Genau auf der Linie sind mehrere Hütten, die drei in der Mitte sind blau gestrichen, sie dienen bis heute für Gespräche des Waffenstillstandskomitees und sie sind der einzige Ort, an dem man ohne Pass und Visum nach Südkorea kann, denn die Hütte steht zur Hälfte auch auf südkoreanischem Gebiet. 

Zur Hälfte Norden, zur Hälfte Süden - die blauen Hütten in Panmunjom stehen genau auf der Grenzlinie
Stark gesichert - nordkoreanische Soldaten stehen zwischen den Hütten nur wenige Zentimeter von der Grenze zu Südkorea entfernt.
Die Tür, die nach Süden führt, wird von zwei nordkoreanischen Soldaten bewacht. Auch neben den Hütten stehen nordkoreanische Soldaten nur ein paar Zentimeter von der Grenzlinie entfernt. In der Mitte der Hütte steht ein Tisch, in seiner Mitte stehen drei Mikrofone – sie und ihre Kabel markieren in der Hütte die Grenze zwischen dem Norden und dem Süden und hier kann man sich genau auf die Grenzline stellen – mit einem Bein im Norden und dem anderen im Süden.

Hinter dieser Tür liegt Südkorea. Die beiden Soldaten sorgen dafür, dass keiner durch sie hindurch geht

Im wahrsten Sinne des Wortes "Zwischenstaatlich" - mit einem Bein in Nord- und dem anderen in Südkorea
Es ist ein komisches Gefühl. Die Spannung zwischen beiden Seiten ist irgendwie spürbar, doch in der Hütte selbst geht es erstaunlich entspannt zu. Auch der Offizier, der uns begleitet, hat wenig diabolisches oder fanatisches, ich hatte das ganze Gegenteil erwartet.

Allerdings - dass hier Soldaten aus der Schweiz und aus Schweden den Waffenstillstand überwachen wird uns nicht gesagt, wir kriegen nur die Geschichten von den südkoreanischen und den – bösen – amerikanischen Soldaten zu hören.

Im Hintergrund liegt das "Freedom House" - hier werden die Touristen von der Südseite her in die "Joint Security Area" geführt

Alles unter Kontrolle - Kameras im Süden beobachten jede Bewegung auf der anderen Seite und zeichnen sie auf
Nach dem Besuch in der Hütte geht es im Gänsemarsch zurück ins Grenzgebäude, vom Balkon aus haben wir einen guten Blick auf die gesamte Anlage, die im Westen „Joint Security Area“ oder kurz JSA genannt wird. Auf dem „Freedom House“ auf der südkoreanischen Seite sind mehrere Kameras montiert, die uns jetzt mit Sicherheit genau beobachten. Wir können auch von hier alles fotografieren. 

Es ist eine bizarre Situation, zwei Systeme so dicht beieinander - das hat es selbst in der DDR so nicht gegeben. Ich bin auf die Südseite gespannt. In knapp vier Wochen werde ich sie besuchen.

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