Und wieder Hotelwechsel. Diesmal schleppe ich mein Gepäck zu Fuß durch Peking, der Weg ist nicht weit, eine gute Viertelstunde. Ich laufe durch die Hutongs, die kleinen Gassen mit ihren kleinen, einstöckigen Häusern in deren Mitte sich ein Innenhof befindet (Mein Hotel ist auch so ein Haus). Es ist Mittag, auf den Straßen und Gassen tobt das Leben. Die Inhaber der Garküchen und Imbissbuden verkaufen ihre ersten Spießchen mit Fleisch, Fischklößchen oder Glasnudeln. Vor einer Tür steht ein Transportdreirad voll mit Elektroschrott. Eine Frau und zwei Kinder nehmen gerade eine alte Klimaanlage auseinander, das Zeug, dass drum herum liegt, dürfte sie den Rest des Tages beschäftigen. Ansonsten wird auf den Straßen alles mögliche verkauft. Gegrillte Kartoffeln, Schuhe, Geldbörsen, Schals und, und, und. An einer Straßenecke hockt ein Mann und verkauft lebendige Krebse aus einem Korb. Bedächtig packt er sie Stück für Stück in eine Plastiktüte, sortiert die toten Tiere aus und sorgt gleichzeitig dafür, dass die noch lebenden nicht flüchten können. Voller Panik klettern sie die Wände des Korbs hoch, doch ein Netz hindert sie an der Flucht. Am Ende werden sie im Kochtopf landen. So wie heute Mittag vor meinem Hotel.
Die Hutongs sind eine kleine, sehr enge und sehr persönliche Nachbarschaft. Hierher verirren sich nur wenige Touristen. Die Menschen leben auf kleinstem Raum und gegenüber von meinem Hotel, direkt neben dem öffentlichen Klo, sitzen immer ein paar Leute. (Die Klos sind übrigens das „Badezimmer“ der Leute hier, denn in vielen Hutong-Häusern gibt es keine sanitären Einrichtungen) Manchmal reden die Leute dort vor dem Klo, manchmal schweigen sie. Heute kochen sie. Ein Mann prüft die Krebse, später holt er einen Elektrokocher raus, in dem die Tiere dann mit Gemüse gekocht werden. Daneben steht ein kleines Kind und schaut gebannt auf das, was in ein paar Minuten auch sein Mittagessen sein wird.
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