In Peking als Fußgänger unterwegs zu sein, ist lebensgefährlich. Denn für Autofahrer ist man kaum existent. Wenn die Stadt mal nicht im Dauerstau versinkt, wird gerne gerast und gedrängelt. Fast jeden Tag werde ich hier beinahe über den Haufen gefahren. Fast jeden Tag zucke ich im Taxi kurz zusammen, wenn ein anderes Auto oder gar ein Laster der Tür auf meiner Seite bedrohlich nahe kommt.
In der Auslegung von Verkehrsregeln sind die Autofahrer hier sehr kreativ. Rote Ampeln haben mehr einen Hinweischarakter, daran halten muss man sich nur bedingt und beim Abbiegen gar nicht. Darum – und das lernt man als Ausländer in Peking ziemlich schnell – sollte man auch an einer grünen Fußgängerampel immer brav nach links und rechts sehen. Wobei selbst bei Grün der Gang über die Straße oftmals ein Spießrutenlauf zwischen Stoßstangen hindurch ist. Auch in engen Gassen, etwa in den Hutongs, wird so schnell gefahren wie es eben geht und Fußgänger, die im Weg stehen, werden lautstark beiseite gehupt. Ähnlich machen es auch die Fahrer der zahlreichen Elektroroller, die sich mit ihren lautlosen Gefährten durch den Verkehr kämpfen. Ohne Helm aber mit viel Eile drücken sie nicht nur gerne auf die Tube, sondern auch auf die Hupe, schlängeln sich akrobatisch zwischen Fußgängern und Autos hindurch. Selbst die Pariser Rollerfahrer (die schon ziemlich hardcore sind) könnten hier noch was lernen.
Allerdings verwundert der Fahrstil der Chinesen kaum, wenn man weiß, wie man hier seinen Führerschein macht – auf einem Übungsplatz. Adrian Geiges schreibt in seiner „Gebrauchsanweisung für Peking und Shanghai“, dass die Chinesen dass erste Mal „richtigen“ Straßenverkehr erleben, wenn sie die Führerscheinprüfung bestanden haben. Und weil die Autopappe recht teuer ist, macht so mancher auf altersschwachen Lastern seinen LKW-Führerschein (der günstiger ist), mit dem er nach der Prüfung dann auch Autos fahren darf.
Übrigens – auch mit Pappe gibt es merkwürdige Phänomene im Pekinger Straßenverkehr. Geiges schreibt u.a. auch, dass die Taxifahrer hier an jeder Ampel die Handbremse anziehen – es stimmt.
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