Wer in Peking weggehen will hat die Qual der Wahl. Die Möglichkeiten sind so vielfältig und so groß wie die Stadt. Gleich um die Ecke von meinem Hotel ist die Nan Luong Road, eine etwas breitere Gasse durch die Hutongs, in der sich Kneipe an Garküche an Cafe an Souvenirshop an Kneipe reiht. Hier gibt es Läden in denen sich Backpacker treffen, eine Kneipe für die Expats (die in Peking lebenden Ausländer), für Säufer, Fans von Gitarrenmusik oder chinesischer Küche. Die Kneipen sind meistens voll, in ihnen ist es laut, aber es geht relativ entspannt zu.
Ganz anders ist es 10 Taximinuten entfernt. An der Sanlitun Lu liegen nicht nur schicke Bürohochhäuser und die Läden vieler Nobelmarken, sondern auch jede Menge Kneipen. Auf der einen Seite der Straße sind die Karaokebars, laut und bunt, aber auch am Samstag Abend teilweise nur sehr überschaubar gefüllt. Auf der anderen Seite ist es schon turbulenter. Hinter dem Einkaufszentrum verbirgt sich eine Mischung aus Hamburger Berg, Oranienstraße und Berlin-Mitte. Massen von Menschen schieben sich durch die Gassen hinter einem Einkaufszentrum, die meisten Kneipen sind mehr oder weniger stark abgeranzt und voll. Aus vielen dröhnt laute Musik. Dazwischen haben fliegende Händler ihre Tische aufgebaut. Es gibt Zigaretten und teilweise auch Blättchen für die Kiffer, Parfums und jede Menge Fresskram. Alle paar Meter steht eine kleine Garküche. Menschen sitzen um einen Kocher herum, in dem die kleinen Spießchen, die man in Peking an jeder Ecke kriegt, vor sich hin brutzeln. Es gibt auch Grillstände, an denen Krebse, Muscheln oder ganze Fische frisch geröstet werden. Hier und da steht ein Koberer, der allen Männern ein „Lady Bar, great Sex, Lady Bar“ zumurmelt.
Die Leute hier sind teilweise abends um 11 schon hackedicht und fangen an zu pöbeln. Als ich ankomme, höre ich als erstes „Ey Alder, hassu Problem oder was“ – auf Deutsch. Willkommen zuhause. Ich gehe in die „Bar Blue“, empfohlen vom Reiseführer liegt sie in einem Haus voller Kneipen im vierten Stock. Der Laden wirkt ein bisschen heruntergekommen und ist ziemlich leer. Auf der Tanzfläche toben sich ein paar Touristen aus, Chinesen sind kaum da. Die Drinks sind ok, der Laden irgendwie langweilig. Eine Etage tiefer ist das „Cheers“. Es hat was von ner Kellerkneipe, ein verrauchter, fensterloser, langer Schlauch in dem sich die Leute stapeln. In der Mitte eine Bühne auf der gerade eine kleine Gitarrenband eine grausame chinesische Version von „My Way“ spielt. Egal, die Gäste haben Spaß, das Bier ist bezahlbar und die Kellner haben gut zu tun.
Am Anfang meiner Reise habe ich einen französischen Computerexperten getroffen, der sechs Monate in Peking verbracht hat. Er empfahl mir das „Vic´s“ am Arbeiterstadion. Es ist nicht weit weg von der Sanlitun Lu, man kann zu Fuß hingehen. Rund um das Nordtor des Stadions stapeln sich die Clubs, das ist praktisch, weil man bei einer Clubtour einfach nur über den Parkplatz muss um den Laden zu wechseln. Aber das „Vic´s“ scheint hier so was wie der Platzhirsch zu sein. Dezentes Neonlicht weist einem den Weg, im Foyer ein Gedrängel wie überall in den Clubs dieser Welt an einem Samstag Abend. Viele (ältere) Europäer, hippe junge Chinesen und Touristen und vor allem viele junge, aufgebrezelte Chinesinnen treten sich im engen Foyer auf die Füße. 5 Euro kostet der Eintritt und nach dem ich bezahlt habe stehe ich recht zügig im Club. Er liegt im Keller, ist verwinkelt und dunkel. Hier soll man sich verlaufen. Es gibt zwei Dancefloors und beide sind brechend voll. Überall wird gelacht, gesoffen, getanzt und manchmal auch geknutscht. Auf der Tanzfläche zucken Körper dicht an dicht zu wummernden Beats. Sex liegt in der Luft. Es gibt viele Sitzgruppen, alle sind belegt. Auf den Tischen stehen Saftkannen mit Whisky oder Wodka, Softdrinks, Obst – das Vic´s Spezialpaket für 80 Euro. Wer etwas ungestörter feiern will, kann sich Privaträume mieten – alle sind belegt. Hier trifft sich, was in Peking schön und reich ist oder sein will – und alle, die sich das mal ansehen wollen. Es ist der wohl europäischste Ort in Peking und wer sich langsam an die chinesische Kultur gewöhnen will, der findet hier den idealen Einstieg. Und eventuell auch die passende Begleitung.
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