Montag, 18. Oktober 2010

Im Mao-soleum



Vor 34 Jahren starb Mao Tse Tung, der als Gründer des modernen Chinas (und vielen durch seine Politik auch als Massenmörder) gilt. In China ziert sein Konterfei heute noch jeden Geldschein, sein Bild hängt am Eingang zur verbotenen Stadt. Nach seinem Tod ließ die KP für ihn ein gigantisches Ma(o)soleum errichten, dass auch heute noch für viele Chinesen zum Pflichtprogramm bei einem Peking-Besuch gehört. Der tote Parteichef empfängt seine Besucher Dienstags bis Samstags von 8 bis 12. 
Doch der Weg zu ihm ist gar nicht mal so einfach. Zuerst muss man zur Garderobe – die ist gegenüber des Mausoleums, hinter einer 6 spurigen Straße. Dort müssen alle Taschen, Kameras, Feuerzeuge und auch sonst alles, was dem großen Vorsitzenden nicht gefallen könnte, abgegeben werden. Dann geht’s auf zur Schlage. Die zieht sich über gut einen Kilometer am Mausoleum vorbei. Aufpasser in dunklen Anzügen, die meisten gerade mal knapp über 20, halten die Menge in Schach. Mit Megafonen brüllen sie die Besucher an und halten Ausschau nach Vordränglern, Taschenträgern oder Menschen mit Kameras. Erwischen sie einen, fliegt der- oder diejenige hochkant aus der Schlange. Man merkt den Jungs an, dass sie ihre Macht über die Menge genießen. 
Die Schlage bewegt sich schnell. Sie steht nur selten. Fast schon im Laufschritt drängen die Menschen zum gläsernen Sarg des großen Vorsitzenden. Alles geht fix, sehr effizient. Nach knapp einer halben Stunde dann endlich die Sicherheitskontrolle. Taschen leer, durch den Metalldetektor, einmal abtasten, Feuerzeug abgeben und weiter im Galopp. Wer will kann auch noch ein paar Blumen kaufen oder eine Broschüre über das Mausoleum. 
Knapp 40 Minuten hat der Weg vom Ende der Schlange bis vor die Gebäudetür gedauert. Soldaten und Aufpasser gemahnen zur Stille, die bis eben noch brüllelaute Meute verstummt. Manche legen die gekauften Blumen vor einer Statue Maos ab – es sind schon viele Blumen da und auch das Denkmal selbst ist von massenhaft frischen Pflanzen umgeben. Die Schlange wird schmaler. In zwei Zweierreihen drängen die Menschen nun den Saal wo Mao in seinem gläsernen Sarg liegt. Das Licht ist gedämpft. Der Sarg steht in einer Art Aquarium, an seinem Ende halten zwei Soldaten Wache. Mir stellt sich die Frage – ist das Mao oder doch nur eine Wachsfigur, denn genauso so sieht der Leichnam aus, der da im Schneewittchensarg unter der roten Flagge mit Hammer und Sichel ruht. Es dauert keine zwei Minuten, dann ist man an der Leiche/Wachsfigur Maos vorbei und steht wieder draußen vor dem Gebäude. Es war zwar nur kurz, aber interessant und auf jeden Fall sehr beeindruckend.

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