Montag, 18. Oktober 2010

All about Kim

Abends sitze ich alleine auf meinem Zimmer und denke: „Scheiße, Du bist tatsächlich in Nordkorea.“ Sechs Tage ohne Handy und Internet, unter ständiger Überwachung und ohne die geringste Ahnung, was als nächstes passiert. 
 
Eins wird schnell klar – das Nordkorea, über das in den Zeitungen berichtet wird, steht nicht auf dem offiziellen Reiseplan. Statt dessen sehe ich Schleusen und Uni-Gebäude, Schwimmbäder und Lesesäle, Tempel, Klöster, Königsgräber und immer wieder die Kims. Ihr Bild hängt an fast jedem Gebäude, in jedem U-Bahnwagen und natürlich auch im Hotel.  Überall stehen Werbetafeln mit dem Konterfei des „ewigen Präsidenten“ und des „Genralsekretärs“ und es gibt keine Stadt in der nicht mindestens eine Kim Il Sung-Statue steht.
 
Die Größte gibt es natürlich in Pjöngjang. In Kompaniestärke marschieren dort jeden Tag Menschen vorbei, legen Blumen nieder und verbeugen sich. Bei jedem Besuch irgendwo, hört man als erstes, wie oft der tote und der lebendige Kim schon da waren. Bei Staudämmen, Unis oder auch im Filmstudio hat einer der beiden den Platz natürlich höchstselbst ausgesucht und den Ingenieuren gesagt, wie sie noch besser, schneller und schöner ans Ziel kommen. Im Hotelshop gabs unter anderem ein Buch von Kim Jong Il über die Filmkunst und andere Lebensbereiche – in denen der einzige dicke Nordkoreaner – natürlich Experte ist.
  

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