Montag, 25. Oktober 2010
Das andere Gesicht von Shanghai
Wer in diese Stadt kommt, wird als erstes von ihr erschlagen. Von ihren Hochhäusern, Shopping-Centern und Straßenschluchten. Von ihrer Monstrosität und Kälte. Aber Shanghai hat auch eine andere Seite, ein Überbleibsel aus der Zeit, als Franzosen, Briten und Amerikaner hier eine wichtige Rolle spielten. Jede dieser drei Nationen hatte ihr eigenes Viertel in der Stadt, wobei Briten und Amerikaner ihre Einflussgebiete recht bald zum „International Settlement“ zusammenlegten. Die Franzosen gingen – wie immer – ihren eigenen Weg und behielten ihre „Französische Konzession“ für sich und prägten damit die Stadt nachhaltig. Denn im ehemaligen Franzosenviertel sieht es tatsächlich ein bisschen nach Europa aus. Villen im Kolonialstil, kaum Hochhäuser, statt dessen kleine Boutiquen, Garküchen und Restaurants. Hier wird der große Moloch auf einmal klein, menschlich und sympathisch. Ich kann in Hinterhöfe reinsehen, kriege ein bisschen was vom Alltagsleben in diesem Viertel mit und fange an, die Stadt zu mögen. Zumindest diesen Teil von ihr.
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