Montag, 25. Oktober 2010

Shanghai zwischen Glitzer und Menschlichkeit

Das erste, was ich von Shanghai sehe, sind die Häuser. Hochhäuser, Wohnsilos, Geschäftshäuser aller Orten. Wer in der Stadtmitte, am People´s Square, aus der Metro aussteigt, fühlt sich wie in New York. Die Stadt fühlt sich kalt an, ganz anders als Peking. Shanghai ist teurer, glatter und glitzernder. Ich habe den Eindruck, dass es schwer ist, hier etwas zu finden, dass weniger glitzernd und glänzend, dass menschlich und fehlbar ist. Aber man kann es finden, wenn man genau genug hinschaut. Neben meinem Hotel ist ein 24 Stunden-Supermarkt. Bei meinem ersten Besuch fand ich dort eine Legende bestätigt – die Chinesen gehen tatsächlich auch mal in ihrem Schlafanzug auf die Straße. Vor mir stand ein junger Mann mit einem „Ohne Dich ist alles doof“-Schlafanzug. In Deutschland ein Fall zum Fremdschämen, hier offenbar ganz normal. Zum Glück. Gegenüber an der Straßenecke, finde ich Abends eine Garküche. Ein kleiner Stand, ein Tisch mit Zutaten, ein paar Sitzbänke und ein Gaskocher – das wars. Hier brutzelt eine alte Chinesin Bratreis und verschiedene Arten von Bratnudeln zusammen. Schnell und lecker. Sie betreibt auf dieser Ecke eine Art Ein-Pfannen-Vapiano (nur ohne die Pizza) – und der Laden brummt. Dabei passt er so gar nicht in die sonst eher spröde Umgebung meines Hotels. Das sind die Kleinigkeiten, auf die ich bei diesem Besuch wohl achten muss. Im Gegensatz zu Peking scheint Shanghai eine Zicke zu sein. Mal schauen, wie gut sich diese Zickigkeit handlen lässt.

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