Vom Maosoleum sind es nur ein paar Schritte zur verbotenen Stadt, dem ehemaligen Kaiserpalast. Auf dem Weg dorthin muss man am Denkmal der chinesischen Helden (=die Volksbefreiungsarmee) vorbei. Hier werden auf riesigen Leinwänden zu lauter, patriotischer Musik Clips von paradierenden Soldaten gezeigt. Gleich gegenüber ist „DIE“ chinesische Flagge, die deswegen auch permanent von einer Ehrengarde der Armee bewacht wird.
Wer über den Tienamen-Platz geht muss durch mehrere Sicherheitskontrollen, die Tasche wird durchleuchtet, aber irgendwie interessiert sich keiner von den Sicherheitsleuten dafür. Durch eine Unterführung gelangt man zur Verbotenen Stadt.
Doch es lohnt sich, nicht den Touristenmassen nachzurennen, sondern eine Ecke früher abzubiegen. Dann landet man im Kulturpalast der Werktätigen. Er liegt direkt neben der verbotenen Stadt und ist eine Oase der Ruhe. Westliche Touristen findet man – zumindest am südlichen Ende der Anlage – kaum. Der Trubel und die Massen bleiben draußen. Ein herrlicher Ort zum Entspannen.
Um so härter treffen mich die Touristenmassen, als ich den Park nach einer halben Stunde wieder verlasse. Auf dem breiten Weg zur verbotenen Stadt ist Völkerwanderung. Massenhaft strömen die Menschen auf den ehemaligen Kaiserpalast zu. Links und rechts stapeln sich die Verkaufsstände, die neben dem üblichen Kitsch auch Eis, Getränke und Instantnudeln anbieten. Heißes Wasser dafür gibt’s um die Ecke aus einem Kessel gratis dazu.
In der verbotenen Stadt geht der Trubel weiter. Die Leute drängeln und schieben, als würde der Palast morgen abgerissen. Allerdings ist auch grade Ferienzeit. Zum Jahrestag der Staatsgründung am 1. Oktober ist immer halb China auf den Beinen – und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sich alle chinesischen Urlauber in der ehemaligen Heimstatt der Kaiser treffen.
Der Palast selbst ist imposant. Oder besser, die Paläste. Es gibt hunderte von Toren und Gebäuden, einen inneren und einen äußeren Palast. In den inneren Palast durften nur der Kaiser, seine Frau, seine Eunuchen und alle, die eine besondere Einladung hatten (die aber eher selten waren). Der Hofstaat und die hohen Beamten mussten sich im äußeren Palast aufhalten. Insgesamt haben alle Gebäude zusammen 9999 ½ Räume, denn – so glaubten die alten Chinesen – nur im Himmel darf es einen Palast mit 10.000 Räumen geben. Also mussten sich die Menschen auf der Erde, bzw. die Kaiser von China, mit etwas weniger zufrieden geben.
Die wenigsten Räume sind zugänglich, aber was man sieht ist beeindruckend. Die kunstvolle Monstrosität der Gebäude ist unglaublich. Dazu haben sie wirklich schöne Namen wie etwa das „Tor der höchsten Harmonie“, „Palast der himmlischen Reinheit“ oder „Halle zur Bildung der Gefühle“. Das Gelände zu erkunden ist eine Tagesaufgabe. Nach gut 3 Stunden tun mir die Füße weh und ich streiche die Segel. Allerdings mit dem guten Vorsatz bei meiner Rückkehr nach Peking in der kommenden Woche noch mal vorbei zu schauen.
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