Was New York für die Weltwirtschaft ist, ist Shanghai für China – hier wird die Kohle gemacht und auch wieder ausgegeben. Dass es hier viel Geld gibt, läßt sich an den Wolkenkratzern im Stadtteil Pudong sehr gut erkennen. Neonhell strahlen sie ihre kapitalistische Botschaft „M-O-N-E-Y“ in den einstmals sozialistischen Himmel über Shanghai. Sie prägen die Skyline und machen klar, wofür das China von heute steht.
Wobei es die Wolkenkratzer dafür nicht braucht, denn die Zeichen, dass das Land – und vor allem die Stadt – im Konsumzeitalter angekommen sind, finden sich an jeder Ecke. In keiner Stadt auf der Welt habe ich bislang so viel Shopping-Malls gesehen. Sie sollen das Lied von den unbegrenzten Möglichkeiten des Kapitalismus singen. Doch in Wahrheit ist das eine ziemlich öde Schnulze. (Nein, ich will jetzt keine tiefgreifende Systemkritik üben und auch keine Moralpredigten halten.) Denn – egal in welches Einkaufszentrum man geht, fast überall gibt es das gleiche: H+M, Zara, C+A, Starbucks, KFC, McDonalds.... (Gefühlt gibt es nirgendwo auf der Welt mehr Starbucks-, KFC- und McDonalds-Läden als in Shanghai. Man kann keine 500 Meter gehen ohne an einem vorbeizukommen) Allerdings wird diese Konsumödnis nirgendwo gekonnter zelebriert, wie in Shanghai. Mit Glas, Chrome und Neon, mit Marmor, Stahl und Beton. Ansprechender habe ich Langeweile und Einheitsbrei noch nie verpackt gesehen. Und der Trick funktioniert – fast alle Einkaufszentren der Stadt sind voll, nicht nur mit Touristen. Auch die Shanghaier, vor allem die Jungen, nutzen die Malls als Hangout, Freizeitpark und Fressmeile und nebenbei shoppen sie noch ein bisschen.
| Darf´s ein bißchen mehr sein - alle großen Luxusmarken sind in Shanghai vertreten |
Nur eine Busstation von meinem Hotel am Stadtrand entfernt, liegt ein regelrechtes Shopping-Mall Zentrum. Gleich vier große Einkaufstempel werben um Kundschaft. Sie sind durch eine Piazza miteinander verbunden, haben U-Bahnanschluss und bieten nachts eine grandiose Lightshow – dank einer mit Neonröhren verkleideten Autobahnüberführung, die direkt zwischen den Malls verläuft.
| Leuchtreklame XXL - Shopping-Center-Center um die Ecke von meinem Hotel |
Es scheint, als werden die Shanghaier ihrem Image als die „Businesspeople“ Chinas gerecht. In der Stadt gibt es Geld. Sie wissen wie es gemacht wird und wo es liegt – und sie holen es sich. Allerdings ist dieser Einkaufszentren-Overflow auch ein Grund, warum ich diese Stadt so langweilig finde. Nach den anderen Dingen, wie Geschichte oder Kultur muss man lange und sehr genau suchen. Allerdings ist diese Mall-itis für uns Deutsche auch ein kleiner Blick in die Zukunft. Denn auch bei uns macht jeden Monat irgendwo ein neues Shopping-Center auf. In 5 oder 10 Jahren kanns dann in Potsdam oder Pinneberg, in Berlin, Frankfurt, Hamburg oder München genauso aussehen. Keine schöne Vorstellung.
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