Es ist kalt in Berlin, aber die Sonne scheint. Mütze und Schal aus meinem Reisegepäck komemn für die paar Meter zwischen Gate und Taxistand zum ersten Mal zum Einsatz. 20 Minuten später schließe ich die Tür meiner Wohnung auf und packe aus. Merkwürdig. Danach treffen mit Freunden, Sushi-Essen, wie passend. Ich fühle mich ein bißchen, als hätte ich gerade schwimmen gelernt und würde nun im Badesee verschämt und unsicher meine ersten Runden ohne Schwimmflügel drehen. Irgendwie ist es immer noch ungewohnt Deutsch zu sprechen. Auf Rolltreppen stehe ich plötzlich in der „falschen“ Richtung, an der Straße schaue ich ebenfalls auf der „falschen“ Seite nach Autos. Schon komisch wie schnell man sich an andere Umgebungen gewöhnt. Jetzt trage ich wieder Mantel, Mütze und Schal statt Sonnenbrille und Schlappen. Komisch. Aber irgendwie freue ich mich auch auf meinen ersten Glühwein.
Freitag, 26. November 2010
R wie Rückkehr
Verschlafen schleiche ich morgens um 6 durch den Frankfurter Flughafen. Mit etwas Verspätung ist mein Flieger aus Hong Kong gelandet. Das kleine „R“ auf meinem Telefon, die Anzeige dafür, dass es sich in ein ausländisches Netz eingebucht hat, ist verschwunden. 7 Wochen lang hat mich das kleine „R“ durch Asien begleitet, ist fast sowas wie ein vertrauter Freund geworden, der einen ständig mahnt, nicht zu telefonieren, weil das sauteuer ist. Das kleine „R“ ist jetzt weg, ich kann wieder meine Flatrate nutzen. Das letzte Zeichen dafür, dass ich wieder in Deutschland bin.
Things To Do in Hong Kong With No Time
Der definitiv letzte Urlaubstag. 8 Stunden Hong Kong bis ich zum Flughafen muss. Die letzte Chance, Dinge zu sehen, die ich bisher verpasst habe und Sachen zu tun, die ich bislang noch nicht gemacht habe.
Als erstes fahre ich mit der StarFerry auf die andere Seite des Hafens, zum Rathaus. Hier gibt es wenig Politik, aber viel Kultur, denn das Rathaus ist auch ein Konzertsaal. Und es gibt viel zu Essen. Im dritten Stock, auf den ersten Blick nicht leicht zu finden, ist ein DimSum-Restaurant. In einem großen, eleganten Speisesaal sitzen Menschen aus aller Herren Länder zusammen und schaufeln kleine Klößchen in sich rein. Mit Rollwagen kommen die Bedienungen durch. Vorne steht drauf, was sie im Angebot haben, und wenn man drauf zeigt, steht es 30 Sekunden später auf dem Tisch. Die Auswahl ist riesig. Shrimps-Klößlichen, Rouladen aus Reisteig mit Fleischfüllung, Reis mit Wurst und Gemüse. Dazu gibt es chinesischen Tee, der sehr lecker ist. Ein interessantes – und appetitliches – Erlebnis. (Vielen Dank Moni für den Tipp)
| Steil gehen einmal anders - Blick auf die Strecke der "Peak Tram" auf dem Weg nach oben |
| Hong Kong aus einer anderen Perspektive - von Oben |
Danach fahre ich auf den Peak. Das hatte ich bei meinem ersten Besuch ja wegen der astronomischen Wartezeiten nicht geschafft. Dieses Mal ist ist die Schlange überschaubar und nach ein paar Minuten anstehen, steige ich in die „Peak Tram“ und zuckele die teilweise bis zu 27 Grad steile Strecke auf den Peak hinauf. Der Blick auf Hong Kong von hier ist großartig. Von hier kriege ich einen vollkommen anderen Blick auf die Dimensionen der Stadt. Der Hafen wirkt so nah, das Hinterland ist auch nicht weit weg. Und hier oben sieht es teilweise mehr nach England als nach Asien aus.
Ich fahre noch ein bißchen mit (normalen) Tram durch die Gegend, schaue mir den Stadtteil Wan Chai an und shoppe noch ein bißchen. Dann geht es zum Frischmachen ins Hotel und weiter zum Flughafen. 12 Stunden Flug bis Deutschland, 12 Stunden Flug bis in den Winter. 12 Stunden Flug zurück nach Hause.
It´s Fun To Stay At The YMCA
Bei der “Young Men´s Christians Association” denkt der Eingeweihte eher an Polizist, Bauarbeiter, Cowboy, Lederkerl und eine schwule Kulthymne. Der Nicht-Eingeweihte denkt eher an karge Räume in denen sich verklemmte Ex-Messdiener gegenseitig ihre Lieblingsverse aus der Bibel vorlesen. In Hong Kong steht YMCA allerdings eher für bezahlbares Wohnen mitten in der City. Denn der YMCA und sein weiblicher Gegenpart YWCA betreiben hier mehrere Hotels. Das „Salisbury“ liegt direkt am Hafen, die Zimmer sind – im Gegensatz zu meinem letzten Hongkonger Hotel – riesig und freundlicherweise werde ich upgegraded und bekomme ein Zimmer mit Hafenblick.
Das Hotel ist toll, die Leute sind freundlich, der Ausblick großartig, das Frühstück lecker und ich kann sogar vor dem Abflug nach Deutschland hier noch mal Duschen – 8 Stunden nach dem Auschecken. Zumindest in Hong Kong stimmt der Satz „It´s Fun To Stay At The YMCA“ also. Auch wenn man keine Polizeiuniform/Cowboy-Outfit/Lederkutte/Bauhelm trägt
| Einfach göttlich - der Blick aus meinem Hotelzimmer beim Hongkonger YMCA |
In vier Wochen ist Weihnachten
In Hong Kong sind es auch abends noch angenehme 22 Grad. Da denke ich eher noch an Sommer (und daran, wie froh ich bin, aus dem Drecksloch Bangkok raus zu sein). Doch ein genauerer Blick aufs Hafenpanorama holt mich zumindest in die zeitliche Realität zurück. Die „Leuchtreklamen“ an einigen Hochhäusern sehen auf einmal so anders aus.
| Bald schon ist Weihnachten - und auch die Hongkonger Hochhäuser sind schon in Feststimmung |
„Seasons Greetings“ und „Merry Christmas“ steht da und dazu strahlen Schneemänner und Christbaumkugeln um die Wette. Tatsächlich – in vier Wochen ist Weihnachten. Gleich um die Ecke, im Einkaufszentrum „Harbour City“ entsteht vor der Tür eine komplette Weihnachtswelt vor der sich Einheimische und Touristen unentwegt gegenseitig fotografieren. (Und bestimmt schon das eine oder andere Geschenk für Heiligabend in der Tasche haben)
| Fast schon diabetisch - Weihnachtsdeko vorm Einkaufszentrum "Harbour View" |
Mittwoch, 24. November 2010
Dinge, die ich vergessen habe....
... in Bangkok Durian- und Brokkoli-Chips zu kaufen. (Falls demnächst mal wer hinfährt: bitte melden und mitbringen... )
Dienstag, 23. November 2010
Erste Rückreise-Vorbereitungen
Der erste Ort meiner Reise (zumindest der erste asiatische Flughafen, auf dem ich vor sieben Wochen angekommen bin) ist auch mein letzter - Hong Kong. Die sieben Wochen haben sowohl an meiner Brieftasche als auch an meinem Gepäck Spuren hinterlassen. An meiner Brieftasche deswegen, weil ich mit den gesammelten Währungen dieser Reise mir in Hong Kong einen schönen Tag machen kann. Nur die Frau in der Wechselstube war "not really amused" über den komischen Typen, der mit 5 Währungen vor ihr stand. Und mein Koffer war heute auf dem Flug von Singapur nach Hong Kong zum ersten Mal so schwer, dass ich eigentlich Übergepäck hätte zahlen müssen, wovor mich dankenswerterweise die Freundlichkeit der Bodenhostess gerettet hat. Mit einer Tasche und einem Koffer bin ich gestartet, mittlerweile ist eine zweite Tasche dazu gekommen. In sieben Wochen auf Achse kommt eben doch ne ganze Menge Kram zusammen.
The End Is Nigh
Vor 52 Tagen bin ich in Berlin aufgebrochen, jetzt sind die letzten 48 Stunden dieser Reise angebrochen. Irgendwie ein komisches Gefühl. Der Anfang, die Zeit in Peking und Nordkorea, wirkt irgendwie schon ganz weit weg. Die Erinnerungen allerdings sind so zahlreich, dass ich davon noch ganz lange zehren werde.
In zwei Tagen werde ich im kalten Berlin aus dem Flugzeug steigen, bei Minusgraden nach Hause fahren und daran denken, dass ich 12 Stunden vorher noch im Warmen gesessen habe.
Immerhin habe ich mir noch eine letzte Galgenfrist gegönnt. Den Urlaub um ein paar Stunden verlängert. Von Bangkok geht es nicht direkt nach Deutschland, sondern noch einmal nach Hongkong. 25 Stunden Aufschub bevor mich Deutschland, der Winter und bald auch der Job wieder haben.
Bye, Bye Bangkok
Die drei Tage hier vergingen schnell – leider, denn ich hätte gerne noch ein bisschen die Annehmlichkeiten meines Hotels genossen. Das leckere Frühstück, den Pool auf dem Dach, den aufmerksamen Service.
Denn – das Beste an Bangkok war mein Hotel. Ansonsten kann ich dieser Stadt irgendwie nicht viel abgewinnen. Bangkok ist ein hässliches, zugebautes, heißes, dreckiges und stinkendes Loch mit lebensmüden (Motorrad-)Taxifahrern und zu vielen Märkten.
Die so sagenhafte thailändische Freundlichkeit gibt es tatsächlich, was aber niemanden davon abhält, jemanden zu bescheissen. An jeder Ecke lauert der Nepp, jeder Kellner, TukTuk-Fahrer, Markthändler versucht zumindest aus jedem Touristen noch ein paar Extra-Baht rauszuleiern. Der Wessi, die frische Weihnachtsgans. Wenn man es weiß, kann man zwar damit umgehen, aber es nervt und es macht den Aufenthalt ziemlich unentspannt.
Und so kann ich die schönen Momente in Bangkok, jene an die ich mich gerne erinnern werde, auch an einer Hand abzählen: das Loi Karathong-Fest, das Seafood-Buffet im Sheraton, TukTuk-Fahren (ohne das ganze Verhandlungsgeschmus), der Besuch in Wat Pho und mein Hotel, übrigens der einzige Platz in Bangkok, den ich wirklich vermissen werde.
Buddha - Reclined
Eigentlich wollte ich ja in den „Grand Palace“, den ehemaligen Königspalast von Siam, aber leider hatte der schon zu, als ich am Nachmittag da ankam. Also blieben mir nur ein paar Fotos von außen – und mein Plan B: Wat Pho.
| Blick über den Gartenzaun - näher kam ich dem Palast leider nicht |
Wat Pho ist ein Tempel, gleich um die Ecke vom Palast, allerdings hat man auf den ersten Blick den Eindruck es ist ein Spielplatz und ein Zoo. Als ich auf das Gelände komme, spielen ein paar Schüler Fußball und um mich herum maunzt es vielerorts – Wat Pho ist ein Katzenparadies. (Die hier sogar ungestraft in den Hof scheißen dürfen). Wat Pho ist auch eine Sammlung unzähliger Buddha-Statuen. In der weitläufigen Anlage gibt es viele Höfe und in jedem stehen mehrere davon.
| Begrüßung mit Ball - mein erster Eindruck von Wat Pho |
| Der zweite Eindruck war ein lustvolles Maunzen |
| und erst auf den dritten Blick kommt dann die Architektur |
| Buddha überall - im Wat Pho gibt es dutzende solcher Statuen |
Im so genannten Ubosot steht (oder besser sitzt) eine riesige Buddha-Statue, rund herum angebetet von anderen Statuen. Im Sockel dieser Statue sind die sterblichen Überreste des Königs Rama I. beigesetzt.
| Oben Statue - unten Grab: der Buddha im Ubosot |
Kurz hinter dem Ubosot liegen vier Pagoden, die ebenfalls als Königsgräber dienen und die ein beliebtes Fotomotiv sind, wenn man es denn schafft, sie in voller Länge aufs Bild zu kriegen.
| Die Türme der vier Pagoden (im Hintergrund) bei Nacht |
Doch das Highlight ist der „Reclining Buddha“ (der von dem Murray Head etwas weiter unten gesungen hat). Er liegt mit seinen rund 46 Metern länge in einer eigenen Halle und hat an seinen Fußsohlen Perlmuttintarsien eingearbeitet. Als ich die Halle betrete, verschlägt es mir erst mal die Sprache. Der Anblick ist ziemlich umwerfend. Und der liegende Buddha ein Motiv, an dem man sich totfotografieren kann.
| Der Kopf des "Reclining Buddha" von Wat Pho |
| und hier die Statue - fast - in ihrer ganzen Länge |
| und hier noch die Füße. Welche Schuhgröße das wohl ist? |
| Nein, das ist nicht der A.... von Buddha, es sind seine Fersen. |
Vielleicht war es doch ganz gut, dass der Palast schon zu hatte – sonst hätte ich diesen Buddha vielleicht nur auf einer Postkarte gesehen.
Nomen Est Omen
Das ist der Name einer „Skytrain“-Station.
Auf Englisch ausgesprochen passt er verdammt gut zur Stadt.
Montag, 22. November 2010
Alles in Buddha
Der Vollmond im November hat für die Thais eine ganz besondere Bedeutung. Am Tag des Vollmondes feiern sie „Loi Krathong“. Für uns Westler sieht das aus, wie die große Totensonntagsparty. Rund um den Tempel Wat Saket, auch als „Golden Mount“ bekannt, herrscht ein irres Treiben. Viele Menschen lassen Papierlampions in den Himmel steigen, ein paar Meter weiter setzen die Leute kleine Blumengestecke mit Kerzen und Räucherstäbchen in einen Kanal.
| 3,2,1, Lift off - viele junge Thais lassen beim Loi Kathrong-Fest erst einen Lampion steigen... |
| ... und schicken dann ihre Wünsche und ihren Ärger übers Wasser auf die Reise |
Die Lampions steigen lautlos in Himmel und sehen nach ein paar Minuten wie Sterne aus, nur dass sie nicht gelb, sondern rötlich braun strahlen. Auf den Kanälen das gleiche Bild. Das Licht der schwimmenden Gestecke erzeugt eine friedliche und romantische Stimmung. Eine, von der nur die wenigsten Touristen etwas mitbekommen. Denn hier gibt es kaum welche. Hier sind die Thais unter sich.-
„Loi Katrong“ ist ein Fest zur Ehrung der Toten, aber auch allen Ärger und Groll mit den kleinen Blumengestecken wegzuschicken und sein Leben fortan (etwas) entspannter zu führen. Die Leute in Bangkok feiern das ganze wie eine große Straßenparty. Überall wird Feuerwerk abgeschossen und geknallt, Sylvester ist dagegen ein Kammerkonzert.
| Lass krachen - Feuerwerk gibts in allen Größen und Lautstärken |
Auf den Wegen zum Wat Saket drängeln sich die Menschen. Links und rechts sind Stände aufgebaut, an denen es alles mögliche zu kaufen gibt. Handyschutzhüllen und Klamotten, Bilder und vor allem – Essen. Krebse, Sußkram, Würstchen, Mais, Schweineköpfe. Alles was die Thaiküche hergibt, kann man hier probieren.
| Shrimps oder Suppe.... |
| ... beim Loi Kathrong-Fest ist für jeden Geschmack was dabei |
Rund um den Tempel ist ein großer Jahrmarkt aufgebaut. Es geht zu wie im Westen vor 100 Jahren. Für 10 Baht (etwa 25 Cent) kann man sich in der großen Freakshow missgebildete Föten und Taschenspielertricks ansehen, für einen Zehner mehr versuchen, Mädels die auf Stangen sitzen in ein Wasserbassin zu befördern. Und zwischen all dem Essen und Entertainment gehen die Leute immer wieder in die weitläufige Tempelanlage.
| Beten für Buddha... |
| ... auf dem "Golden Mount" gibt es unzählige Buddha-Statuen |
Sie beten und lassen sich von den Mönchen segnen. Sie spenden Geld, sie opfern Geld (dass in langen Girlanden vor einer Buddha-Statue aneinander getackert wird), sie wünschen sich was und hoffen auf eine bessere Zukunft. Dabei ist sind die Leute allesamt sehr fröhlich. Jeder deutsche Kirchentag ist ein Trauerspiel dagegen.
| Jedem Gott seinen Pott - die Gläubigen opfern Kleingeld.... |
| .... aber auch "große" Scheine (20 Baht sind ungefär 50 Cent) |
Hinter einem der Gebäude ist eine Bühne aufgebaut, wo ein junger Mann Schnulzen singt. Dazu tanzen zwei Mädchen und zwei Jungen (alle vier im Tütü) wie wild auf der Bühne herum. Die Thais lieben ihre Religion. Und – was noch viel wichtiger ist – sie haben Spaß dabei, sie zu leben. Die Katholen könnten sich davon ein Scheibchen abschneiden. Denn ein so buntes (Kirchen-) Fest hab ich in Europa noch nie gesehen.
Wie man sich in Bangkok fortbewegt
Im großen und ganzen gibt es fünf Möglichkeiten durch Bangkok zu kommen.
1. die eigenen Füße
2. Busse und Bahnen
3. Taxis
4. TukTuks
5. Motorrad-Taxis
Während 1, die eigenen Füße, eine recht ungefährliche Art der Fortbewegung ist (so lange man auf der Straße brav nach links und rechts guckt und allem ausweicht, was mehr als ein Rad hat), kann 2, Busse und Bahnen schon etwas nerviger sein. Meist voll, nicht immer klimatisiert und – zumindest was die Busse angeht – dem Bangkoker Stauchaos hilflos ausgeliefert, ist das nicht wirklich die angenehmste Art von A nach B zu kommen. Taxen, die Nummer 3, stehen zwar auch im Stau, aber sie haben Klimaanlage und man hat keine Menschenmassen um sich rum. Ab Nummer 4 wird’s abenteuerlich.
| Ein TukTuk - eigentich sieht es ganz harmlos aus |
Das TukTuk müsste eigentlich eher WroooaaamWrooooaaam heißen. Mit dem Namen TukTuk assoziiert man ja eher etwas langsames, gutmütiges und nur bedingt lautes. Diese Teile sind das ganze Gegenteil. Sie sind laut, sie stinken und ihre Fahrer rasen mit ihnen durch die Gegend als gelte es Rekorde zu brechen. Verkehrsregeln? Hier eher ein gut gemeinter Ratschlag, den man vielleicht berücksichtigt. Wenn Einheimische mit diesen Teilen unterwegs sind, sind die TukTuks regelmäßig überladen. Bei 8 Leuten (auf einer Sitzbank für 3) habe ich aufgehört zu zählen. Manche Leute transportieren halbe Hausstände damit. Wenn der Fahrer gute Laune (und Zeit) hat, kann man die Fahrt genießen. Hat er beides nicht, braucht man einen starken Magen (es ruckelt ganz schön) und noch stärkere Nerven (wenn einem auf einmal ein Bus auf der gleichen Spur entgegenkommt).
| Rasant und stinkend - mit dem TukTuk durch Bangkok |
Doch die absolute Nahtod-Erfahrung ist das Motorrad-Taxi. Jeder französische Rollerfahrer (und die Jungs sind ziemlich rabiat, wenn sie unterwegs sind) ist ein Waisenknabe gegen die Zweirad-Taxler aus Bangkok. Denn die sind irgendwie Lebensmüde. Keine Lücke ist zu schmal, keine Ampel zu rot, kein Lastwagen zu entgegenkommend als das man da nicht noch schnell dran vorbei rauschen könnte.
| Auf zwei Rädern durch jede Lücke. Roller und Motorräder sind in Bangkok überall - auch als Taxi |
Mit einem Affenzahn flitzen die Jungs an allem vorbei, manchmal hilft nur noch Arme, Kopf und Bauch einziehen um zwischen einem Lieferwagen auf der einen und einer dicken Limousine auf der anderen Seite vorbei zu kommen. Eine Achterbahnfahrt auf dem Oktoberfest in München ist teurer als eine Tour mit dem Motorrad-Taxi quer durch Bangkok, sie ist bei weitem nicht so rasant – aber sie ist deutlich entspannender und sicherer.
Bangkok - eine tierliebe Stadt
Die Thais lieben ihre Religion, ihren König – und Tiere. Den Eindruck habe ich zumindest, wenn ich durch die Straßen Bangkoks gehe. An jeder Ecke gibt’s nen Altar, an jeder zweiten hängt ein Bild vom König. Und fast überall grinsen einen entweder herrenlose Hunde, streunende Katzen, unterarmdicke Ratten oder die eine oder andere freundliche Küchenschabe an.
Fischfutter
Auf dem Khaosan-Markt gibt es alles. Vor allem alles, was es nicht geben darf. Schwarzgepresste CDs und DVDs, nicht ganz echte Klamotten und jede Art von gefälschten Ausweisen (selbst eine Bahncard, einen Betriebsausweis der Lufthansa oder der Berliner BVG und einen deutschen Führerschein kriegt man hier)
| Presseausweis? Führerschein? Perso? Alles in ein paar Minuten hier zu kriegen |
Ein kleines Schild in all dem Gewusel weckt meine Neugier: „Fish Spa“. Dahinter verbergen sich drei große Wasserbecken mit Fischen. In diese Wasserbecken steckt man seine Füße und die Fische fangen sofort an, die Hornhaut und alles was ihnen sonst noch schmeckt abzuknabbern.
| "Zu Tisch Kinder, heute gibts Haxe" - "Abendessen" im "Fish Spa" |
Es kitzelt, es kribbelt, es ist angenehm. Das Wasser ist lauwarm und es macht Spaß den Fischen beim Abendessen zuzusehen.
Sonntag, 21. November 2010
Samstag, 20. November 2010
Close Encounters
Auspacken, ein Bad im Pool und umziehen. Danach ein erster Spaziergang rund ums Hotel. Gleich vor der Tür ist ein Nachtmarkt. Gefälschtes Viagra, mehr oder weniger lustige T-Shirts und raubkopierte DVDs sind die Highlights im Angebot der Händler. Ein paar Straßen weiter finde ich die „Victoria Bar“ – ein deutsches Restaurant mitten in Bangkok mit Warsteiner vom Fass und Wiener Schnitzel auf der Karte. Um mich langsam wieder an Zuhause zu gewöhnen, esse ich heute hier. Nudeln mit Hacksauce und ein (thailändisches) Bier.
Dazu beobachte ich die Menschen auf der Straße. Es sind viele ältere (und meist auch nicht sonderlich attraktive) Herren aus dem Westen mit jungen Thailänderinnen unterwegs. Um die Ecke gibt es „Rooms for Rent“ für alle, die nicht mehr warten können. Die Frauen hier sind meist heftig aufgebrezelt und direkt vor meinen Augen geraten mehrere in Streit. Das ganze endet fast in einer Prügelei, bevor sie dann doch gemeinsam wieder abziehen. Morgen werde ich die Stadt mal etwas genauer erkunden. Aber nach dem Auftakt sieht es so aus, als könnte das sehr, sehr spannend werden.
Schlagzeilen die Mut machen....
Zur Zeit bin ich in Bangkok bei Temperaturen um die 30 Grad. Nächste Woche geht es dann zurück nach Deutschland. Und heute schon kann ich bei Bild Online lesen, was mich erwartet:
Glücklicherweise habe ich auch Mütze und Schal im Gepäck
10. Etappe: Singapur - Bangkok
Mein letztes Ziel auf dieser Reise ist Bangkok. Mit dem Billigflieger ist das von Singapur aus eine recht unkomplizierte Sache. Auch der Flug ist unspektakulär, Bordservice gibt’s nur gegen Cash und die englischen Ansagen der thailändischen Crew sind eher unverständlich. Nach zweieinhalb Stunden landen wir in Bangkok. Ich hätte nicht geglaubt, dass es noch mal genauso lange dauert, bis ich endlich im Hotel bin.
Schon an der Immigration wird meine Geduld auf eine Probe gestellt. Die Schlangen sind lang und sie bewegen sich nur im Zeitlupentempo voran. Selbst die überpeniblen Amerikaner arbeiten schneller. Fast 45 Minuten dauert es, bis ich der Einreisebeamtin meinen Pass überreiche. Drei Blicke, zwei Stempel. Das wars. Dafür die lange Wartezeit? Weiter zum Taxistand und auch hier das gleiche Spiel: anstehen wie zu besten DDR-Zeiten. Auch hier sind die Schlangen lang und bewegen sich nur träge. Eine halbe Stunde in schwüler Hitze lassen mich gleichgültig werden. Als ich endlich dran bin, freue ich mich auf ein klimatisiertes Taxi und eine Dusche im Hotel. Aber auch in Bangkok ist am Freitag Abend Rush-Hour und so dauert es noch mal gut eine Stunde, ehe ich endlich meine Tasche in die Ecke pfeffern kann.
Immerhin – mein Hotel ist stylish. Große Zimmer, luxuriöses Bad, Obstschale, perfekt ausgestattete Minibar, DVD-Player, Flatscreen, Pool auf dem Dach – Herz was willst Du mehr. Nach all der Warterei habe ich jetzt das Gefühl: alles wird gut.
Ein Singapur-Crashkurs
Es waren nur ein paar Tage in Singapur, aber es waren lehrreiche Tage. Jetzt weiß ich, dass die meisten Singapurer chinesischer Abstammung (85%) sind, die größten Minderheiten sind Malaien und Inder. Alle stehen auf Weihnachten und kommen sowohl mit der hohen Luftfeuchtigkeit als auch mit dem Wechsel zwischen der Hitze auf der Straße und der arktischen Kälte in den heruntergekühlten Gebäuden sehr gut klar.
![]() |
Was interessant ist – das offizielle Singapur ist höflich. „Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag“ steht in vielen Bussen. An jeder Baustelle gibt es mindestens ein Schild auf dem sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt wird. Doch das inoffizielle Singapur ist mürrisch. Taxifahrer, Verkäuferinnen, Busfahrer – sie alle können freundlich sein, sind es aber nicht immer.
In dieser kleinen Stadt mit großer Wirtschaftskraft dreht sich viel ums Vorwärts kommen und Geld verdienen. Viele Werbeplakate drehen sich nicht ums Geld ausgeben, sondern ums mehr Geld verdienen. Weiterbildung, Qualifizierung, Aufsteigen – das sind die Schlagworte hier. Und wer genug Geld verdient hat, kann es hier auf die fantastischsten Arten und Weisen ausgeben. Irgendwie ist es bezeichnend für Singapur, dass die bekanntesten Sehenswürdigkeiten ein Riesenrad und ein Hotel sind.
Up And Down
Der „Singapore Flyer“ ist das höchste Aussichtsriesenrad der Welt – 165 Meter hoch und streng nach den Regeln des Feng Shui gebaut. Es hat 28 Gondeln die je 28 Menschen fassen können – weil die 28 laut Feng Shui eine besondere Bedeutung hat. Selbst bei den Planungen wurden Platz und Ausrichtung den Feng Shui-Regeln unterworfen.
Eine Runde mit dem Feng Shui Flyer dauert eine halbe Stunde. Als erstes geht mein Blick auf die Formel 1-Strecke, die direkt um das Riesenrad herum verläuft. Dann schaue ich aufs offene Meer und sehe Schiffe soweit das Auge reicht. Singapur ist einer der größten Seehäfen Asiens, aber die Masse der Schiffe dort sieht so aus, als würden P&O Netlloyd, Maersk oder Hamburg Süd eine Invasion in Singapur planen. Dicht an dicht reihen sich Tanker, Feeder, Frachter – eine unglaubliche Masse.
| Das höchste Riesenrad der Welt - der Singapore Flyer ist 165 hoch |
Nicht weniger auffällig ist das Sands Maritime Bay Casino. Drei riesige Bürotürme, die oben mit einer durchgehenden Dachterrasse verbunden sind. Es sieht ein bisschen so aus, als hätte hier jemand ein überdimensionales Surfbrett aufgebockt. Das Casino ist erst seit ein paar Monaten in Betrieb. Unten gibt es über 1000 Spieltische, an denen Ausländer kostenlos zocken können. Einheimische müssen 100 Singapur-Dollar Eintritt bezahlen und wer sich verzockt fliegt raus. Das haben in der kurzen Zeit schon 28.000 Singapurer geschafft.
Von hier oben sehen die Hochhäuser der Stadt noch beeindruckender aus. Ich hab das Gefühl in New York oder in einer südostasiatischen Version von Monaco zu stehen.
Nach der Tour von Oben schaue ich mir das alles noch mal von Unten an. Ducktours heißt die Firma, die Stadtrundfahrten mit alten Amphibienfahrzeugen anbietet. Die Teile sind extrem bullig und werden von zwei Mann im Wechsel gesteuert.
Ein paar Minuten nach Abfahrt schwimmen wir schon im Singapore-River und sehen die Statue, die zum Symbol für die Stadt geworden ist – ein wasserspeiender Löwe. Singapur, so erzählt der Tourguide, heißt „Stadt des Löwen“ – und das obwohl es hier und in der Umgebung keine Löwen gibt. Der Gründer von Singapur will aber hier einen gesehen haben und so gab er der Stadt diesen Namen. Wahrscheinlich hat der gute Mann einen Tiger gesehen (die es hier häufiger gibt, einer hat es sogar mal bis unter den Billardtisch des „Raffles“-Hotels geschafft) und so beruht der Name der Stadt auf einem zoologischen Missverständnis.
| Mit der Ente durch Singapur hat in diesem Fall nix mit rostigen französischen Kleinwagen zu tun... |
| ... eins haben die Amphibienmonster mit dem 2CV aber gemeinsam - sie sind hässlich und praktisch |
Aus der Froschperspektive fallen mir ein paar Dinge auf, die ich von oben nicht gesehen oder beachtet habe. Die Löwenstatue ist eins davon, ein anderes ist die Helix-Brücke, eine Fußgängerbrücke, die der Helix der menschlichen DNA nachempfunden ist.
| Irgendwie menschlich.... die Helix-Brücke, die einen Strang der menschlichen DNA symbolisiert |
Wer oder was ist ein Hawker-Center?
Man sieht sie überall in Singapur. Die kleinen oder großen Open-Air-Imbissplätze, die man neudeutsch als „Food Courts“ bezeichnet. Hier heißen sie „Hawker Center“ und es gibt sie nicht nur in Einkaufszentren sondern fast an jeder Ecke. Viele kleine Stände bieten verschiedene Spezialitäten an, die Preise sind niedrig, der Komfort meist auch, aber die Qualität ist hoch. Und es macht einen Heidenspaß, nachts in der drückenden Hitze mit dutzenden anderer Esser an speckigen Plastiktischen zu sitzen und sich über eine Schale Nudeln mit Meeresfrüchten und ein kühles Bier her zu machen.
Meist morgens gibt es in den Hawker-Centern und Cafes auch noch das singapurianische Nationalgericht: Kaya-Toast. Kaya ist eine Art Kokospaste, die auf Toast geschmiert wird, dann kommt noch ein dickes Stück Butter drauf, es gibt noch zwei seeehr weich gekochte Eier dazu und fertig ist das Frühstück. Dazu trinkt man entweder Kopi (Kaffee) oder Kopi-O (Kaffee mit ganz viel gezuckerter Kondensmilch, im Westen als „Cortado“ bekannt) oder Teho (das gleiche mit Tee). Kostet keine 2 Euro und ist sehr lecker. Bis auf die labberigen Eier.
Eine Nacht im Dschungel
Der Zoo von Singapur ist am Rande der Stadt. Eigentlich sind es zwei Zoos, denn es gibt einen für den Tag und einen für die Nacht. Die „Night Safari“ ist die Ferienlager-Nachtwanderung mit wilden Tieren.
Ein bisschen Folklore, ein paar Feuerspucker und ein Soundtrack der ein bisschen an „König der Löwen“ erinnert – das sind die ersten Eindrücke beim Betreten des „Night Safari“-Geländes. Lustiger wird schon bei den Open-Air-Klos. Mit Elektrozügen/bussen geht es durch den Park. Die Plätze an denen die Tiere sind oder sein sollten sind mehr oder weniger dezent angestrahlt. Erstaunlicherweise sind die meisten Tiere tatsächlich „am Platz“. Manche Gehege werden von Sponsoren unterhalten. Das der Tiger passenderweise von "Tiger Balm". Die Tourguides geben ihre Erklärungen in einem merkwürdigen Singsang, der ein bisschen an Märchen- oder Horrorstory-Erzähler erinnert. Giraffen, Elefanten, Löwen, Tapire und Wasserbüffel – teilweise schauen sie in den Touristenzug hinein. Sie sind so nah, dass man sie streicheln könnte.
Es ist dunkel, es ist heiß, die Luft ist feucht – echtes Tropenfeeling. Nach der Tour gehe noch zu Fuß ein wenig durch den Park. Auf verschlungenen Fußgängerpfaden kann man der Natur ganz, ganz nah sein. Ich sehe eine „Fishing Cat“, die sich allerdings aus den Fischen im Wasserbecken vor ihr so gar nichts macht. Gelangweilt schaut sie in die Gegend. Auch bei den Ottern ist nix los, bis ein Pfleger vorbeikommt und sie füttert. Nachdem er wieder weg ist, bleibe ich noch ein Weilchen vor dem Gehege stehen – und werde von den Ottern angebettelt. Gutes Sehen scheint nicht ihre starke Seite zu sein. Krokodile, Tukane, Hirsche in allen Variationen leben hier im schummrigen Dunkel des Parks. Fotos zu machen ist schwer, denn dafür ist meine Kamera nicht lichtstark genug. Im Leopardengehege gelingt es doch:
| Genügend Licht für ein Bild - der einzige scharfe Blick, den mir meine Kamera bei der "Night Safari" erlaubt hat |
Entlang der Fußwege gibt es ein paar Überraschungen. Es gibt ein Gehege in dem Fledermäuse frei fliegen. Die kleineren sind auch recht hektisch unterwegs, während die größeren träge in den Bäumen hängen und kaum zu sehen sind. Ich wusste gar nicht, dass es durchaus interessant sein kann, wenn man Fledermäusen beim Schlafen zusieht. Der Weg durch die Nachtsafari ist spannend und unterhaltsam. Danke an Jürgen und Bettina für den Tipp.
Einmal Streicheln 5 Dollar
Zuerst fiel mir der Mann beim Spaziergang durch die Altstadt gar nicht auf. Er stand ein wenig versteckt im Garten eines Restaurants. Erst als er einen Schritt nach vorne trat, konnte ich ihn – und seinen Albino-Python - erkennen. Er lächelte freundlich mit seinem recht zahnlosen Mund und winkte mich heran. Ich könne den Python gerne mal streicheln.
Etwas zurückhaltend fährt meine Hand über die Schlangenhaut. Sie ist glatter als man denkt, zäher aber auch. Unter der weißgelben Haut kann man die Muskeln spüren und auch die Kraft die sie besitzen. Einmal streicheln reicht und man weiß, wie es diese Tiere schaffen andere zu töten. Doch den Python lässt das alles unbeeindruckt. Er würdigt mich keines Blickes.
| Kuscheln mit Würgeschlange - im Hintergrund skeptisch beäugt von Sir Stamford Raffles |
Auf einmal hängt der Mann mir die Schlange um den Hals. „Foto, Foto“ sagt er und macht mit meiner Kamera ein paar Bilder. Die 5 Singapur-Dollar, die er dafür haben will sind ein Spottpreis für dieses genauso ungewöhnliche wie einmalige Erlebnis.
Abonnieren
Posts (Atom)
