Dienstag, 9. November 2010

Was von Korea übrig blieb....

So richtig warm geworden bin ich mit Seoul nicht – aber an den Seoulern kann es eigentlich nicht liegen. Ich habe selten so viele höfliche und hilfsbereite Menschen getroffen. Es spricht zwar kaum jemand Englisch, aber wenn ein Ausländer eine Frage oder ein Problem hat, dann wird der Handy-Übersetzer rausgekramt, jemand angerufen, der Englisch kann und zur Not helfen auch Hände und Füße bei der Verständigung weiter. Irgendwie klappts immer. Den Vogel hat der Portier meines Hotels abgeschossen. Ich gab ihm einen Teil meiner Klamotten mit der Bitte, ihn doch in die Wäscherei zu geben. Weil er keine fand, hat er meinen Kram selbst gewaschen. Das hat mich nicht nur gerührt, sondern fast schon peinlich berührt.

Die Seouler sind außerdem recht gut organisiert, ziemlich trinkfest (weil sie sehr häufig trainieren) und gehören zu den mit Abstand bestgekleideten Menschen, die ich bislang auf meiner Asientour gesehen habe. Teilweise hatte ich in der U-Bahn oder auf der Straße den Eindruck in einem Modekatalog zu sein (wobei mein Touri-Schlabber-Outfit dann wohl eher als schlechtes Beispiel mit drin ist... ;-)

Außerdem – und auch das finde ich sympathisch - sind sie handyverrückt. In der U-Bahn ist fast jeder mit seinem Telefon zugange. Wobei es hier auch sehr beliebt ist, mit dem Handy fernzusehen (funktioniert auch in der U-Bahn). Es kann einem passieren, dass man irgendwo in Leute reinrennt, die total versunken auf ihr Handydisplay starren – weil sie sich gerade ihre Lieblingssoap oder die Nachrichten ansehen.

Also an den Leuten kann es nicht liegen, dass Seoul bei mir nicht so gezündet hat. Bleibt die Stadt. Sie ist groß, sehr groß. Verschachtelt. Und teils auch etwas unübersichtlich. Es gibt wenig altes und viel neues zu sehen. Seoul ist reich an Einkaufsmöglichkeiten, aber ein wenig zu arm an Attraktionen/Sights/Sehenswürdigkeiten. Es ist schwer zu beschreiben und noch schwerer auf den Punkt zu bringen. Der Satz: „die Menschen hier sind außergewöhnlich – die Stadt ist Durchschnitt“ bringt es wohl am ehesten auf den Punkt. Es war interessant, es war lehrreich und es war teilweise auch spannend – gerade auch im Vergleich mit dem Norden des Landes. Aber es war nicht einfach mit der Stadt warm zu werden. Und das wirkt irgendwie nach.

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