Montag, 22. November 2010

Alles in Buddha

Der Vollmond im November hat für die Thais eine ganz besondere Bedeutung. Am Tag des Vollmondes feiern sie „Loi Krathong“. Für uns Westler sieht das aus, wie die große Totensonntagsparty. Rund um den Tempel Wat Saket, auch als „Golden Mount“ bekannt, herrscht ein irres Treiben. Viele Menschen lassen Papierlampions in den Himmel steigen, ein paar Meter weiter setzen die Leute kleine Blumengestecke mit Kerzen und Räucherstäbchen in einen Kanal.

3,2,1, Lift off - viele junge Thais lassen beim Loi Kathrong-Fest erst einen Lampion steigen...

... und schicken dann ihre Wünsche und ihren Ärger übers Wasser auf die Reise
 
Die Lampions steigen lautlos in Himmel und sehen nach ein paar Minuten wie Sterne aus, nur dass sie nicht gelb, sondern rötlich braun strahlen. Auf den Kanälen das gleiche Bild. Das Licht der schwimmenden Gestecke erzeugt eine friedliche und romantische Stimmung. Eine, von der nur die wenigsten Touristen etwas mitbekommen. Denn hier gibt es kaum welche. Hier sind die Thais unter sich.- 

„Loi Katrong“ ist ein Fest zur Ehrung der Toten, aber auch allen Ärger und Groll mit den kleinen Blumengestecken wegzuschicken und sein Leben fortan (etwas) entspannter zu führen. Die Leute in Bangkok feiern das ganze wie eine große Straßenparty. Überall wird Feuerwerk abgeschossen und geknallt, Sylvester ist dagegen ein Kammerkonzert. 

Lass krachen - Feuerwerk gibts in allen Größen und Lautstärken
Auf den Wegen zum Wat Saket drängeln sich die Menschen. Links und rechts sind Stände aufgebaut, an denen es alles mögliche zu kaufen gibt. Handyschutzhüllen und Klamotten, Bilder und vor allem – Essen. Krebse, Sußkram, Würstchen, Mais, Schweineköpfe. Alles was die Thaiküche hergibt, kann man hier probieren. 

Shrimps oder Suppe....

... beim Loi Kathrong-Fest ist für jeden Geschmack was dabei
 Rund um den Tempel ist ein großer Jahrmarkt aufgebaut. Es geht zu wie im Westen vor 100 Jahren. Für 10 Baht (etwa 25 Cent) kann man sich in der großen Freakshow missgebildete Föten und Taschenspielertricks ansehen, für einen Zehner mehr versuchen, Mädels die auf Stangen sitzen in ein Wasserbassin zu befördern. Und zwischen all dem Essen und Entertainment gehen die Leute immer wieder in die weitläufige Tempelanlage. 

Beten für Buddha...
... auf dem "Golden Mount" gibt es unzählige Buddha-Statuen
Sie beten und lassen sich von den Mönchen segnen. Sie spenden Geld, sie opfern Geld (dass in langen Girlanden vor einer Buddha-Statue aneinander getackert wird), sie wünschen sich was und hoffen auf eine bessere Zukunft. Dabei ist sind die Leute allesamt sehr fröhlich. Jeder deutsche Kirchentag ist ein Trauerspiel dagegen. 
 
Jedem Gott seinen Pott - die Gläubigen opfern Kleingeld....

.... aber auch "große" Scheine (20 Baht sind ungefär 50 Cent)
Hinter einem der Gebäude ist eine Bühne aufgebaut, wo ein junger Mann Schnulzen singt. Dazu tanzen zwei Mädchen und zwei Jungen (alle vier im Tütü) wie wild auf der Bühne herum. Die Thais lieben ihre Religion. Und – was noch viel wichtiger ist – sie haben Spaß dabei, sie zu leben. Die Katholen könnten sich davon ein Scheibchen abschneiden. Denn ein so buntes (Kirchen-) Fest hab ich in Europa noch nie gesehen.

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