Dienstag, 2. November 2010

7 Etappe: Hongkong – Seoul


Die Strecke zum Hongkonger Flughafen ist am Tage bei Sonnenschein noch viel beeindruckender. In der Stadt der kurzen Wege dauert es eine kleine Ewigkeit. (Der alte Flughafen lag direkt am Hafen und wäre von meinem Hotel etwa 10 Taximinuten entfernt gewesen). Es geht über Brücken und durch Tunnel und beim Blick in eine der zahlreichen Buchten rund um Hongkong, sehe ich dass sich da die Schiffe fast schon stapeln. Eine riesige Wuhling liegt da, dicht an dicht.

Am Flughafen hole ich nach dem Einchecken nach, was ich bislang verpasst habe: Postkarten schreiben. Was unter anderem daran lag, dass ich kaum einen Laden gefunden habe, der die Dinger verkauft. Nun habe ich Porto, Karten und ein paar nette Sätze darauf – aber keinen Briefkasten. Bei der Suche danach vergesse ich die Zeit und merke fast zu spät, dass ich eigentlich schon am Gate sein müsste. Im Laufschritt und mit Vordrängeln bei der Passkontrolle mache ich etwas Zeit gut und finde sogar noch einen Briefkasten. Endlich. Die Karten sind weg und ich bin im Flieger.

3 Stunden dauert der Flug nach Seoul. „Meine“ Stewardess hört auf den lustigen Namen „JoJo“. Sie ist supernett und hilfsbereit, aber ihre Stimme (und auch ihr Englisch) sind waffenscheinpflichtig. So hohe kieksige Töne taten dann selbst meinen abgestumpften Ohren etwas weh. Ein bisschen Lesen, ein bisschen Schlafen, das nicht all zu dolle Essen vermeiden. Die Zeit vergeht schnell.

Beim Ausfüllen der Zollerklärung beschleicht mich wieder dieses merkwürdige Gefühl: wie soll ich eigentlich erklären, dass mein Pass noch jungfräulich (also ohne einen einzigen Stempel) ist, wo ich doch mit einem Flug aus Hongkong komme. Und was ist, wenn die beim Zoll meine nordkoreanischen Zigaretten finden? Augen zu und durch. Der Grenzbeamte mustert meinen nagelneuen Pass ausführlich, schaut sich jede Seite an – und stempelt dann endlich mein Visum hinein. Auch der Zoll sammelt bloß die Erklärungen ein – jetzt bin ich also im Süden Koreas.

Als erstes tausche ich meine bisherige Reisekasse in koreanische Won. Chinesische Yuan und Hongkong-Dollar finden in der Wechselstube Gnade, meine Patacas aus Macau leider nicht. Bevor ich mit dem Taxi zum Hotel fahre, rauche vor dem Flughafengebäude noch eine Zigarette – eine nordkoreanische.

In Seoul ein Taxi zu kriegen ist gar nicht so einfach – weil man gar nicht bis zum Taxistand kommt. Je näher ich dran bin, desto häufiger werde ich von Männern mit einem verschwörerischen „Need a driver?“ angewispert. Kurz vor dem Taxistand steigt der Fahrer eines Kleinbusses sogar spontan in die Eisen und rennt mir nach, nur um mich in sein Auto zu kriegen.

Ich nehme dann aber doch ein „reguläres“ Taxi – und habe ein Problem. Der Fahrer spricht kein Englisch, mit der Hoteladresse in lateinischen Buchstaben kann er nichts anfangen. Zwei Telefongespräche später ist alles klar. Es geht durch die Dunkelheit in die Stadt, vorbei an langweiligen Industriegebieten und Wohnghettos. Fast eine Stunde lang gurken wir durch das abendliche Seoul, erst kurz vor meinem Hotel tauchen immer mehr Leuchtreklamen auf, allerdings liegt es so versteckt in einer Seitenstraße, dass der Fahrer es zuerst nicht findet. Aber ein paar Minuten stehe ich dann doch vor der Tür. Endlich angekommen.

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