Dienstag, 2. November 2010

Good bye, Hongkong

Eine Woche hier ist eindeutig zu wenig. Dafür hat diese Stadt einfach zu viele Facetten. Und hinter jeder Ecke lässt sich etwas neues entdecken, dass Lust auf mehr macht. Viele Sachen habe ich gar nicht gesehen (und muss das beim nächsten Mal dringend nachholen). 

Hongkong: ein bißchen Monaco, ein bißchen New York und eine Skyline, die süchtig machen kann.
Hongkong ist ein verwirrender Mix aus Europa und Asien. Eine Art chinesisches Monaco. Es ist China und doch nicht China, denn Peking hat hier noch 37 Jahre lang recht wenig zu melden. Bis dahin bleibt die Stadt „Special Administrative Region“ mit mehr Freiheiten und Möglichkeiten als im „Mainland China“. Hier kann man sich alle Internetseiten ansehen und kriegt Informationen nicht durch die gefilterte Parteibrille serviert. Es gibt keine Mehrwertsteuer, aber eigenes Geld. Hier wird nicht Mandarin (wie in China), sondern kantonesisch gesprochen. Und natürlich Englisch. Die Spuren der ehemaligen Kolonialmacht sind noch überall zu sehen. Linksverkehr, Doppeldeckerbusse, der Stil der Polizeiuniformen – all das erinnert daran, wer hier über 100 Jahre lang geherrscht hat.

Nicht nur bei den Doppeldeckerbussen zeigt sich: Britain was here
Die Stadt schafft es spielend, das Heute mit dem Gestern und und dem Morgen zu verbinden. Das „Good Old Times”-Gefühl bekommt man z.B. wenn man mit der StarFerry von Kowloon nach Central fährt, das hier und jetzt sind z.B. die Hochhäuser, die zeigen, dass die Briten zwar weg, aber das Geld noch da ist. Und das Morgen, das sind unter anderem die vielen Baustellen. Überall wird gebaggert, gebuddelt und gekrant. In der Bucht liegen Bauschiffe gefährlich dicht aneinander. So ist unter anderem eine Brücke von China über Hongkong nach Macau geplant – wenn das Ding mal fertig ist, hat die Stadt (haben beide Städte, Macau ja auch – und natürlich auch die Chinesen) ihren nächsten Eintrag im Guinessbuch schon sicher.

Gestern und Morgen liegen dicht beieinander - das Legislative Council Building (vorne) aus dem Jahr 1912 und dahinter die Zentrale der Großbank HSBC
Hongkong ist eng, verbaut, unübersichtlich. Mein Orientierungssinn, sonst nicht der schlechteste, hat hier mehr als einmal gnadenlos versagt. Aber am Ende findet man doch alles, was man finden will – man muss nur manchmal etwas genauer danach suchen. Und manchmal findet man auf dem Weg Sachen, die man so gar nicht gesucht hat, die aber nicht weniger beeindruckend sind. In Hongkong lohnt es sich immer mit wachem Blick durch die Straßen zu gehen. 

Bloß nicht rauchen, essen, trinken... - Verbotsschilder gibts in Hongkong überall, z.B., wie hier, im Bus.
Hongkong ist sauber und recht organisiert. Die Busse fahren häufig, die U-Bahnen auch. Auf den Straßen liegt kaum Müll und irgendwie funktioniert alles, was man als Tourist braucht. Der Preis dafür: Verbote allerorten. Rauchen? Fast überall verboten. Müll wegschmeißen – bis zu 6 Monate Knast sind dafür möglich. Essen und Trinken in der U-Bahn oder im Bus? Auch dabei sollte man sich besser nicht erwischen lassen. Selbst auf manchen Promenaden herrscht Rauchverbot. Und fürsorgliche warnen viele elektronische Anzeigetafeln an den Straßen: "If you drink, don´t drive". Taxen und Busse, Bahnen und Fähren sind billig, die Hotels sind es nicht. Sie lassen sich jeden Quadratmillimeter ihres Wohnraums vergolden, meist liegen sie sogar in normalen Wohnhäusern. 

Und das ist das einzige, was mir Hongkong ein bisschen vermiest hat – dass ich eine Woche im wohl schäbigsten und abgeranztesten Hotel schlafen musste, in dem ich je zu Gast war. Aber es gibt ja zum Glück auch andere Herbergen in der Stadt.

7 Tage Hongkong haben mich tief beeindruckt und haben sehr viel Spaß gemacht. Ich will mehr davon. Gerne bald.

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