Samstag, 20. November 2010

Sein im Schrein und Herbst im Palast

Irgendwie ist die Kultur auf diesem Trip ein wenig zu kurz gekommen. Zumindest in Tokio. Darum stehen für heute der Kaiserpalast und ein Shinto-Schrein auf dem Programm.

Blick auf den Palast von Außen
Der Palast des Tenno liegt mitten in der Stadt, zu sehen ist er allerdings nicht. (Höchstens bei Google Earth). Das Gelände der kaiserlichen Residenz ist weitläufig und mehr als den Eingang, ein paar Gebäude und den Wassergraben drumherum kriegt man als Tourist nicht zu sehen. Aber das ist auch schon sehr beeindruckend. Ganz nebenbei ist der Weg um den Palast eine beliebte Joggingstrecke. Gelaufen wird gegen den Uhrzeigersinn und es vergeht kaum eine Minute, in der mir kein Jogger entgegenkommt.

Fontaine im Fontainenpark gleich um die Ecke vom Kaiserpalast
Auf dem Weg zum Palast passiere ich einen Fontainenpark. Die Springbrunnen sind kleine, oder besser große, Kunstwerke, schlicht und schön. Direkt auf der anderen Straßenseite sieht man schon den Palastgraben und eines der Tore zum Gelände. Ein Ruderboot ist hier festgemacht. Irgendwie wirkt es fehl am Platze. Ein schönes Bild. Rund um den Palast zeigt sich das es Herbst wird. Die Blätter der Bäume zeigen all die schönen bunten Rot-, Gelb- und Brauntöne, die für mich mit Abstand das Schönste an dieser Jahreszeit sind. 

 Und da es obendrein recht mild ist, die Temperaturen liegen um die 16 Grad, macht der Spaziergang gleich noch mehr Spaß. Dabei fällt mir auf, dass dies einer der wenigen Herbsttage ist, die ich in diesem Jahr erlebe. Einen Tag Regen in Peking, ein paar Tage Kälte und etwas Regen in Seoul und hier nun ein bisschen herbstliche Stimmung. Ansonsten war es meist warm und sonnig. Irgendwie komisch. Denn wenn ich nach Hause komme, wird es dort kalt, grau und winterlich sein. So habe ich – dank dieser Reise – eine Jahreszeit so gut wie ausgelassen.

Ein Boot am Palast - Idylle in Tokio
Ich gehe weiter am Palast entlang und es ziemlich ruhig, vor allem wenn man sieht, wie viele Touristen dort unterwegs sind. Es ist recht viel Betrieb aber wenig Lärm. Am größten ist das Gedrängel am Eingang zum Palast. Es ist ein großer Platz mit Kiesboden, an dessen einer Seite eine Brücke abgeht. Der Zugang ist gesperrt, am Ende der Brücke stehen zwei Palastwachen – Soldaten in grauen Uniformen, die extrem still stehen und (zumindest aus dieser Entfernung) offenbar keine Mine verziehen. Kameras und Handys klicken.

Hier wohnt der Tenno....

... abgeschottet und gut bewacht.
Vom Palast gehe ich weiter durch einen Park zur U-Bahn und fahre weiter zum Hie-Schrein. Er liegt ein wenig versteckt zwischen Hochhäusern. Der Weg auf das Gelände des Schreins führt über eine kleine, steile Treppe, die von orangefarbnenen Torbögen umgeben ist. Ein lustiges Bild.

In Berlin wär´s Werbung für die BSR - der Eingang zum Hie-Schrein, ganz in Orange
Der Schrein selbst besteht aus mehreren Gebäuden. Es ist Sonntag und viele Familien haben ihre Kinder aufgebrezelt, in ein traditionelles Kostüm oder eine Tracht gesteckt und zum Schrein mitgeschleift. Viele Leute kommen aber einfach auch so. Im Businessoutfit. Sie haben sich für die Götter fein gemacht, gehen zum Altar, werfen etwas Geld in den aufgestellten Klingelbeutel, beten, verbeugen sich und läuten eine Glocke, auf dass ihr Wunsch in Erfüllung geht.

Und das verbirgt sich hinter den orangenen Toren - das Gebäude des Schreins
Schlange stehen zum Beten und Wünschen vor dem Schrein
An einem Stand daneben kann man kleine Holzbrettchen mit aufgemalten Figuren kaufen. Auch auf ihnen kann man seine Gebete und Wünsche notieren, oder auf kleine Zettel. Die werden dann an speziellen Gestellen angebracht. Auch Amulette sind im Angebot. Für Fruchtbarkeit und gegen den bösen Blick, zum Schutz der Familie und für Wohlstand.

Wünsche zum einen - auf ein Gestänge geknotet...

... oder auf bunte Holztafeln geschrieben
 Als ich gehe taucht die Abendsonne den Schrein in ein malerisches und friedliches Licht.

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