Sonntag, 7. November 2010

Aufm Fischmarkt nachts um halb 1

Er kostet keinen Eintritt und hat 24 Stunden geöffnet. Das macht ihn zur perfekten Touristenattraktion. (Danke an Su für den Tipp). Eigentlich ist es ein riesiges Areal, aber leicht zu finden ist es nicht, "Immer der Nase nach..." funktionier hier nur bedingt, denn nach strengem Fischgeruch schnüffelt man hier (meist) vergebens und so sollte es bei frischem Fisch ja auch sein.

Der erste Blick - Muscheln sortieren auf dem Seouler Fischmarkt

Das Angebot ist riesig, egal ob bei Fischen, Muscheln...

...oder Shrimps
Von der U-Bahn geht es über eine gammlige Fußgängerbrücke auf einen Parkplatz dann eine leicht versteckte Treppe runter und dann bin ich da. Als erstes sehe ich Frauen, die auf dem feuchten und kalten Steinfußboden hocken und Muscheln sortieren. Ein paar Arbeiwr gehen geschäftig vorbei, manche schieben oder ziehen Karren. Ansonsten ist es ruhig, aber obwohl es schon nach Mitternacht ist, haben erstaunlich viele Stände geöffnet. Die Kundschaft ist freilich überschaubar, wer kauft um diese Zeit schon frischen Fisch. Ein Pärchen tut es. Der Händler holt den Fisch, den sich die beiden ausgesucht haben, aus dem Becken, erschlägt und filetiert ihn dann mit schnellen, geübten Griffen. Wenige Minuten später liegen die frischen Filets auf einem Styroporteller - in mundgerechte Portionen geschnitten und appetitlich angerichtet: als Sashimi, das offenbar auch hier in Korea sehr beliebt ist.

Shopping rund um die Uhr - Fisch aussuchen....
...zuschauen, wie er verarbeitet wird...
... und ihn dann als Sashimi mit nach Hause nehmen.
In den Becken, Aquarien und Vitrinen findet sich so ziemlich jedes essbare Meeresgetier. Jede Art von Fischen, Shrimps, Krebse, Riesenkrabben, Oktopusse und Muscheln. Manche dieser Tiere habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen - weder in echt, noch im Fernsehen.

Doch nicht alles was hier schwimmt, hat schöne letzte Stunden. Manche Aquarien sind gnadenlos überfüllt, so dass sich die Fische kaum bewegen können. Anderswo haben sich die Fische gegenseitig verletzt. Manche haben Geschwüre, anderen fehlen die Augen, hier und schimmen auch tote Fische oder Krebse zwischen all den Lebenden.






Eine komplette Band taucht auf und schlendert mit ihren (eingepackten) Instrumenten durch die Gänge. Sie gehen zu einem Imbissstand am Ende der Halle. Hier wird der frische Fisch vom Markt gleich zubereitet und es gibt auch die üblichen koreanischen Snacks.

Gleich gegenüber ist es schon ziemlich wuselig. Lastwagen fahren rein und raus, Kisten werden geschoben, gestapelt und begutachtet. Hier beginnt gleich die morgendliche Fischauktion. In den Kisten, die auf dem Boden stehen, stapeln sich Seezungen, Tintenfische und Makrelen. Daneben liegen, fein säuberlich aufreiht, Thunfische, ein Zettel auf ihnen verrät Qualität und Gewicht. 


Fertig zur Versteigerung - der frische Fisch kurz vor der Auktion
Männer mit abgewetzten Klamotten und blauen Baseballcaps mit einer Nummer vorne drauf, inspizieren die Ware mit kundigen Blicken. Hier ein kurzer Druck, da mal einen Fisch angehoben. Mehr Infos brauchen sie offenbar nicht. 

Anschauen...

...mitbieten...

...einpacken. Eine Auktion dauert nur ein paar Minuten.
Durch das Treiben fahren ein paar dreirädrige Elektrokarren. Auf ihre Ladefläche ist eine Art Schalter montiert, obendrauf noch ein großer Flatscreen. Hier arbeiten die Auktionatoren. Es sind immer zwei: einer, der spricht, einer der schreibt. Der Sprecher rattert Preise und Gebote in einer irrwitzigen Geschwindigkeit runter, während der andere alles im Computer notiert. 

Vom Karren weg verkauft... so sieht die Auktion aus... 

... und so hört sie sich an.

Die Männer mit den blauen, numerierten Mützen, die Händler geben ihre Gebote mit kurzen Gesten ab, nach nur wenigen Minuten ist eine Auktion vorbei, dutzende Kisten Fisch verkauft und der Elektrokarren mit den beiden Auktionatoren fährt weiter zur nächsten Stelle in der riesigen Halle, wo die nächsten Kisten voller Fisch auf ihre Versteigerung warten. Höhepunkt ist die Auktion bei der lebende Thunfische unter den Hammer kommen. 

Letzte Minuten im Leben eines Thunfischs - erst wiegen...
... dann warten auf die Auktion. Die Fische wehren sich nach Kräften und versuchen aus ihren Kisten zu springen
Kurz darauf sind sie schon verkauft....

...und liegen ausgenommen am Stand des Fischhändlers
Es dauert keine zwei Stunden bis alle Kisten und Fische verkauft sind. Fast alle Händler müssen ihre Einkäufe nicht weit schleppen. Sie haben ihre Stände gleich hier auf dem Markt, nur ein paar Meter weiter. Direkt nach den Auktionen wird es unruhig auf dem Fischmarkt, denn alles was gerade an Ware gekauft wurde, muss hergerichtet werden. Kisten werden hin und her getragen, ein Elektrokarren bringt Eis zum Kühlen.


Nach der Auktion beginnt die Arbeit...
... die Standbesitzer richten die Ware für ihre Kunden her
... alles soll appetitlich aussehen.
... und dann beginnt das Warten auf die Kunden
 An den Ständen drapieren die Händler ihre Fische, andere sortieren ihre Ware, während die ersten, gerade ersteigerten Fische schon wieder weiterverkauft werden. Es ist drei Uhr Morgens als ich mich müde in Richtung Hotel auf den Weg mache. Die muschelsortierenden Frauen, die ich schon beim Reinkommen sah, sitzen immer noch da und sortieren Muscheln. Auf den Straßen von Seoul herrscht noch gähnende Leere. Auf dem Fischmarkt dagegen ist der halbe Arbeitstag schon vorbei.

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