Samstag, 20. November 2010

Die totale Entspannung

Ein Onsen ist eine Art Badehaus, dass von einer heißen Quelle gespeist wird. Hier trifft sich die Nachbarschaft, hier werden Probleme und Geschäfte diskutiert. Und – hier wird sich entspannt. Nach der aufregenden Zeit in Tokio habe ich mir für meinen letzten Abend auch etwas Entspannung verordnet und gehe in ein Onsen in einer kleinen, versteckten Seitengasse nicht all zu weit von meinem Hotel entfernt.

Für umgerechnet 7 Euro kriege ich ein Handtuch, etwas Seife und einen Schrank in den ich meine Klamotten einschließen kann. Alle. Denn im Onsen herrscht Kleiderverbot. (Darum ist es auch nach Geschlechtern getrennt). Der Baderaum für die Männer ist erstaunlich klein. Er sieht ein bisschen wie der Duschraum einer deutschen Kleinstadt-Badeanstalt aus in der Mitte des Raumes Waschgelegenheiten – zum Sitzen. Nackte Männer hocken auf Plastikschemeln davor und seifen sich ein, rasieren sich, duschen sich ab oder gießen Wasser aus großen Plastikschüsseln über sich. Das ist übrigens Regel Nummer 1 im japanischen Bad. Bevor man badet, wäscht man sich.

Nachdem auch ich porentief rein bin, gehe ich zum Badebecken. Das Wasser ist dunkelbraun, es sieht aus wie verdünnte Sojasauce und riecht auch ein bisschen so. Und – es ist heiß. 45 Grad zeigt das Thermometer an der Wand an. Zuerst halte ich nur einen Fuß in das Becken, doch die 45 Grad sind erträglicher als ich dachte, Fuß Nummer 2 und der Rest des Körpers folgen schnell. In dem Becken gibt es Nischen in denen Massagedüsen Verspannungen lockern sollen und es gibt sogar ein „Electric Bath“ in dem leichte Stromstöße für Entspannung sorgen sollen. (Wenn man sich mal dran gewöhnt hat, ist es echt entspannend)

Es gibt sogar einen kleinen Garten mit einem nicht ganz so warmen Becken und einem Kaltwasserbecken, dass nur 15 Grad hat. Der Garten ist wirklich winzig, hat aber einen kleinen Wasserfall und sogar einen kleinen Teich in dem der hauseigene Koikarpfen sein Unwesen treibt. Das 15 Grad-Becken ist eine wirklich frostige Angelegenheit, aber es gibt Leute, die sitzen da über eine Viertelstunde lang drin, ohne ein Gesicht zu verziehen. Ich lerne dieses Becken nach dem Besuch der Sauna schätzen. Über 100 Grad sind es hier und zur Ablenkung gibt es einen – hitzesicher hinter Glas verstauten – Fernseher.  Die Bänke sind mit gelben Frotteematten ausgelegt, ein eigenes Handtuch bringt hier keiner mit rein. 6, 7 Minuten, länger halte ich es in der Sauna nicht aus, der Schlüssel an meinem Handgelenk glüht, ich selbst tue es auch. Die kalte Dusche hinterher und der Ausflug ins Kaltwasserbecken bringen mich wieder annähernd auf Normaltemperatur.

Es ist ruhig im Onsen. Hier und da reden zwar auch Leute, aber meist wird geschwiegen und geschwitzt. Zwei Stunden lang wechsle ich von heiß zu warm zu kalt zu Sauna zu kalt zu heiß zu warm usw.... Und je länger ich in dem braunen Wasser liege, desto entspannter werde ich. Augen zu. Abschalten. Mal an nix denken. Toll. Soooo viel Entspannung auf einmal hatte ich lange nicht mehr. Ich schwebe fast aus dem Onsen, als ich nach zwei Stunden langsam ins Hotel zurück gehe. Und ich weiß – auch das wird etwas sein, was ich in Deutschland irgendwie vermissen werde.

PS: ja – die meisten Japaner haben kleine Pimmel. (Zumindest in diesem Onsen)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen